Aus dem Reisetagebuch Äthiopien

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Noch in Addis: Morgens früh frühstücken, dann um 6.15 mit dem Fahrer Fekade und dem Bus zum Flughafen. Es ging schnell, aber dann längere Kontrolle. Unseren Guide Gedhau trafen wir auch dort.

Abflug nach Bahir Dar am Tanasee um 7:50. Wir wohnen im Tana Hotel, da es etwas außerhalb liegt, abseits von möglichen Protesten (vor denen die Gäste gewarnt worden waren, die aber dann nicht stattfanden).

Erster Ausflug: Wir fuhren mit einem kleinen Boot mit Außenborder eine Stunde über den See zur Kloster-Halbinsel Zeghie mit dem Kloster Ura Kidane Meheret. An Samstagen (Markttag) gibt es vom Hafen in Bahir Dar auch ein public boat zur Insel. Schöner Spazierweg zur Rundkirche, was für uns eher ein Spalierlaufen ist – durch die Reihen von kleinen Geschäften, die Kaffee, Weihrauch, Schals und vor allem sakralen Schmuck verkaufen.

Die Kirche ist rund – was symbolisch den Kreislauf des Lebens darstellen soll. Die Anlage wird von einem Wächter mit Gewehr bewacht. Die Kirche ist voller alter Malereien (Fresken) mit biblischen Motiven. Erinnerte mich an naive Malerei. Der Guide, ein Theologiestudent, der hofft, bald eine Gemeinde in der Nähe übernehmen zu können, war sehr gut. Das Klo vor der Kirche soll ganz schrecklich sein, wie die Frauen erzählten.

Nach der Rückkehr gabs Pizza in einem Einheimischen-Resto in Bahir Dar an der Hauptstraße im 1. OG. Draußen warteten arme, hungrige Jungen, denen wir unsere Reste gaben.

Nachmittags fuhren wir zu den Nilfällen. Die Straße ist nicht besonders gut, es wird wohl noch 2 Jahre dauern, bis die fertig ist. In den Dörfern Andasa oder Sabatamit, die wir passierten, sei eine Pause mit Snack möglich, meinte Gedhau. Die Nilfälle waren ein tolles Erlebnis, ebenso der Zuweg  über die alte Portugiesische Brücke (benannt nach den katholischen Portugiesen, die früher hier mal Einfluss hatten). Etwas nervig waren die vielen jungen Mädchen, die uns ihre Schals verkaufen wollten. Mann kann sie von 200 Birr auf 50 Birr herunter handeln, man sollte aber auf die Qualität der Stoffe achten und die Preise nicht zu sehr drücken.

Abends im Hotel machten wir unsere Vorstellungsrunde. War ganz lustig. Jeder erzählte von seinen bisherigen Reisen und wie die Leute dort so waren (China, Thailand, Uganda, Südafrika, viele Länder Lateinamerikas, Island). Danach ging ich mit einigen der Gruppe noch ein Stück um den See – wir stolperten fast über die Stromleitungen, die nicht mehr hoch hingen, sondern aus irgendwelchen Gründen zu Boden gesunken waren. Ohne Taschenlampe ginge so ein Gang kaum. Obwohl: am Ende machten wir die Lampen aus, und unsere Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit. Es wirkte alles etwas mystisch.

26.9.
Morgens vor dem Frühstück joggte ich herrlich am See entlang bis zum Summerland Hotel und sah mir das für eine nächste Reise einmal an. Man verkaufte überall Sträuße mit gelben Meskal-Blumen wegen des anstehenden Meskal-Festes (Finding of the true cross), das im ganzen Land von den orthodoxen Christen gefeiert wird. Auf dem Rückweg begegnete ich zahlreichen Affen, die im Gebüsch am Seeufer leben. Nach dem Frühstück fuhren wir direkt nach Gondar.

Zu Addis:

Eine Stadt der krassen Gegensätze. Armut und Reichtum dicht beieinander. Überall schießen moderne Gebäude aus Glas und Stahl aus dem Boden, Banken, Hotels und globale Player. Dafür werden die Armenviertel abgerissen und die dortige Bevölkerung vertrieben. Auch die freien Verkaufsstände des großen und fantastischen Mercato werden eines Tages in Warenhäusern verschwunden sein, wenn sie nicht sowieso aufgeben müssen.

Bettler auf der Straße strecken mir ihre Hände entgegen, Kinder werden nachts noch zum Betteln geschickt, man sieht von Tüchern nur unzureichend abgedeckte Körper von Menschen, die sich anscheinend mitten im Trubel an den Straßenrand legen.

Eine Taxifahrt kostet z.B. 100 Birr die gleiche Strecke mit dem Minibus kostet 5 Birr und mit dem öffentlichen Bus sogar nur 1 Birr, also nur 1% des Taxipreises, bei uns kostet der Bus rund 20% des Taxipreises.

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